Das Thema „Energie-Management“ ist ein eher neues Thema, das aus den USA kommend nun auch bei uns immer mehr Beachtung erfährt und vielseitig erforscht wird, beispielsweise am Institut für Chronobiologie in Basel. Viele von uns verwechseln dieses Thema mit reinem Zeit-Management, obwohl es bei Energie-Management um wesentlich mehr geht: Nämlich um Gesundheit und Lebensfreude, um das Kennenlernen von unserem Biorhythmus und Chronotypus, oder anders gesagt, dem Wissen von der richtigen Tätigkeit zur richtigen Zeit. 

Fehlt die Selbstwahrnehmung, die Bewusstheit über das eigene Energie-Level, so gehen wir unachtsam mit unseren eigenen Energien um, vergeuden sie beispielsweise. Das merken wir meist erst dann, wenn wir weniger oder gar keine Energie mehr haben, müde sind oder gar krank. So führt chronischer oder akuter Energiemangel in die Depression oder ins Burnout. Es ist wichtig zu lernen, die eigenen Energien wahrzunehmen und damit adäquat umzugehen.

 

Wie setzt man seine Energie wirklich effektiv ein?

Energie gewinnt oder verliert man auf der körperlichen Ebene, dort bemerken wir es zumeist schnell. Zuwenig Schlaf, falsche Ernährung, wenig Bewegung - und wir werden müde, krank oder zumindest schlecht gelaunt. Aber auch die mentale, emotionale und die Sinn-Ebene müssen beachtet werden, denn sie sind genauso wichtig für unsere Gesundheit, für unsere Lebensfreude und auch für die Produktivität. Wir können beispielsweise im emotionalen Bereich viel Energie verlieren, wenn wir von "Energie-Räubern" umgeben sind und nicht wissen, wie wir mit ihnen umgehen und uns wirkungsvoll abgrenzen können. Wenn wir nicht wissen, wie und wann wir entspannen können oder wenn wir uns das Leben von Smartphones diktieren lassen, dann betrifft uns das auf der mentalen Ebene wesentlich. Der Ausgleich fehlt.

Auch, wenn wir den Sinn in unserer Tätigkeit nicht sehen, entzieht uns das Energie. Wir sehen also, Energie-Management ist ein vielschichtiges Thema.

Ich empfehle deshalb ganz unterschiedliche, aber regelmässige Praktiken für Körper, Geist und Seele, damit unser Energie-Level auf einem gesunden, entspannten Niveau bleibt oder wieder dahin findet. Hier finden Sie meine acht persönlichen Tipps:

1) Ausrichtung der eigenen Haltung

Mit welcher Einstellung gehe ich heute durch den Tag? Was ist mir wirklich wichtig? Wie will ich meinen Teamkollegen heute begegnen? Überprüfen wir während des Tages unsere Haltung immer wieder und passen uns ihr an, wo nötig. Nichts ist wichtiger als die eigene Einstellung. 

2) Kennenlernen der eigenen Energie-Kurve

Bei der Organisation meiner Termine schaue ich immer, dass ich meine produktivsten Phasen (morgens zwischen 9 und 12) für die anspruchsvollsten Aufgaben einplane. Längere Meetings mit viel Kommunikation plane ich meiner Energiekurve entsprechend lieber am Nachmittag ein. Meine Energie ist, wie diejenige der meisten Menschen, morgens für konzentriertes, fokussiertes Arbeiten geeignet, am Nachmittag hingegen ist die Zeit und Energie für soziale Aktivitäten, Kreativität, Kommunikation und Langzeitgedächtnis passender.

3) Zu Beginn des Arbeitstages die Prioritäten setzen

Was ist das allerwichtigste, das es heute zu erledigen gibt? Wann habe ich wieviel Zeit zu meiner Verfügung und wie will ich sie nutzen? Es gibt mittlerweile sehr viele nützliche Tools für Planung und Organisation, aber nur schon ein gutes Kalender-Management ist Gold wert. Die wichtigste Aufgabe wird zuerst erledigt: Arbeiten Sie die ersten 1.5 bis zwei Stunden im Büro an der wichtigsten Aufgabe, und zwar ohne Pause und Ablenkung, jeden Tag. Schalten Sie dazu das Smartphone aus, öffnen Sie keine weiteren Tabs. 

4) Regelmässiges "digital detoxing"

Darunter verstehe ich, sich bewusst zu überlegen, welche (sozialen) Medien man nutzen möchte und wie oft man diese besucht. Kann ich auch gut ohne sie sein? Wenn nein, dann ist vermutlich Zeit für Facebook-Ferien und andere Strategien, um weniger abgelenkt zu werden. Ja, von den meisten Kanälen kann man sich temporär abmelden. Hier gilt der Grundsatz: Beherrsche ich mein Smartphone und die digitalen Kanäle - oder ist es umgekehrt?

5) Die Wichtigkeit von Pausen

Alle 75 Minuten ist eine Pause von 15 Minuten angebracht, das sagt uns die Forschung zum Biorhythmus. Unsere Energiekurve lässt sich nicht langfristig manipulieren - zuwenig Pausen sind kontraproduktiv und machen uns müde oder sogar erschöpft. Verbringen Sie ihre Pausen an der frischen Luft, nehmen Sie sich Zeit für ein gesundes, frisches Mittagessen, gehen Sie spazieren, machen Sie Sport, halten Sie einen Schwatz mit den Teamkollegen oder animieren Sie sie zum Desktop-Yoga. Aber bitte nicht nach dem Leistungsprinzip, sondern möglichst mit Musse und Humor.

6) E-Mails ignorieren

Mails im Posteingang bremsen unsere Produktivität, lenken ab, reissen uns aus der Routine. Produktiver wäre, mit definierten Zeitfenster zu arbeiten, in denen man den Posteingang abarbeitet. Zwei oder drei Fenster pro Tag reichen aus, auch wenn uns das zu Beginn erfahrungsgemäss schwer fällt. Gemäss meiner eigenen Energiekurve beantworte ich meine Mails dann, wenn die Energie nicht allzu hoch ist, denn diese Zeit nutze ich für Wichtigeres. Aber die Zeit vor dem Mittag ist gut gewählt, um sich den E-Mails zu widmen. Je nachdem kann man sich auch einen ganz kurzen Überblick bei Arbeitsbeginn erlauben.

7) Nein sagen

Sich abgrenzen. Man ist unproduktiv, wenn man immer ja sagt.Warren Buffett soll einmal gesagt haben: "Der Unterschied zwischen erfolgreichen Menschen und sehr erfolgreichen Menschen ist der, dass sehr erfolgreiche Menschen zu fast allem 'Nein' sagen." Genau so ist es. Seien Sie wählerisch. 

8) In sich hinein hören

Stellen Sie sich folgende Fragen in regelmässigen Abständen und nehmen Sie sich Zeit, sich dazu Beobachtungen zu notieren: 

Was raubt bzw. gibt mir momentan Energie? Wie kann ich Energieverluste einschränken?
Wann kann ich mich am Tag am schwersten bzw. am besten konzentrieren?
Wann mache ich immer meine Pausen?
Welche Gedanken blockieren bzw. welche fördern mich?
Was motiviert mich? Was stresst mich?

Und jetzt?

Erfahren Sie wie Sie Energiemanagement in Ihrem Betrieb konkret einsetzen um die Gesundheit und Produktivität der Mitarbeitenden zu steigern.

 

Über die Autorin: Nicole Stadler

Als Workshopleiterin und Coach unterstützt Nicole Stadler Firmenkunden sowie Privatpersonen dabei, ihre Energie besser zu managen. Sie unterstützt sie dabei, ihren Biorhythmus kennenzulernen, ihre Energie anders einzuteilen, so dass sie in eine gesunde Worklife-Balance zurückfinden. Auch der Umgang mit Medienkonsum sowie unsere online-offline-Balance sind ihr als Vertreterin der Generation Y wichtig. Erhöhte Resilienz, Gelassenheit und Lebensfreude sind das Ziel ihrer Workshops. Mit ihren Erfahrungen aus der Tätigkeit bei Google, im Journalismus und der Talentvermittlung kann sie sich auf die Bedürfnisse und den individuellen Hintergrund der Kunden eingehen.

Nicole unterstützt WeAct bei der Optimierung unserer Angebote in Bezug auf das persönliche Energie-Management.

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